Urs M. Fiechtner

ANNAS GESCHICHTE

Autorenlesung für Jugendliche


"Annas Geschichte“ gehört zu den bekanntesten Büchern von Urs M. Fiechtner, erhielt viele Literaturpreise und Auszeichnungen, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und gehört heute zur Lektüre in vielen Schulen.
Die Erzählung für Jugendliche (ab ca 14 Jahren) und Erwachsene beruht auf der Geschichte einer Familie, die wegen ihres politischen und sozialen Engagements verhaftet wird und „verschwindet“ - das heißt in jene geheimgehaltene, offiziell geleugnete Form politischer Haft gerät, die von immer mehr Staaten praktiziert wird und die nur wenige Menschen überleben. „Anna“, ihre jüngere Schwester und ihre Mutter haben es dank des Eingreifens von amnesty international und anderer Menschenrechtsorganisationen überlebt und konnten darüber berichten.

Urs M. Fiechtner, der sich seit vielen Jahren mit den Formen und Folgen von Menschenrechtsverletzungen beschäftigt, hat die Geschichte aufgegriffen und in einer weitgehend von Ort und Zeit gelösten - und somit übertragbaren - Form literarisch umgesetzt. Grundlage für sein Buch waren nicht nur die individuelle Erfahrung weniger Menschen, sondern mehrere Hundert Berichte von Betroffenen, Zeugenaussagen und Dokumente aus über 30 Ländern der Welt. Erzählt wird die Geschichte vor dem Hintergrund sozialer und politischer Konflikte in Lateinamerika. Auch nach dem Zusammenbruch vieler „klassischer“ Militärdikaturen fühlt sich das Militär in den meisten Ländern als Garant der inneren Sicherheit, mit nur wenigen Ausnahmen haben fast alle Länder Lateinamerikas in der Vergangenheit das „Verschwindenlassen“ von Oppositionellen praktiziert, in nicht wenigen Ländern der Welt gehört diese besonders grausame Form politischer Gefangenschaft nach wie vor zum Alltag.

‘Annas’ langer Weg durch geheime Verhörzentren, Haftlager und Gefängnisse steht stellvertretend für die Geschichte vieler Menschen und ist - leider - ein Bericht aus einer uns täglich umgebenden Realität, von der viele wissen, aber nur wenige reden.

„Bisweilen greift man sich an den Kopf, wenn wieder einmal Literaturfunktionäre mit traumwandlerischer Sicherheit die ‘ausgewogene’ Mittelmäßigkeit preiskrönen. Grund zur Freude aber gab es, als dieses erschütternde, ergreifende, erhellende Buch ausgezeichnet wurde... Die Geschichte einer Verschwundenen: So ist es beinahe unterkühlt im Untertitel formuliert. Annas Schicksal steht beispielhaft für das Leben vieler Menschen, die plötzlich in die brutale Maschinerie einer Diktatur geraten. Daß das Muster des Nazi-Terrors unserer Vergangenheit durchscheint, liegt gewiß in der Absicht des Autors, der sich seit Jahren in Menschenrechtsorganisationen engagiert. (...) Als Studentin führt Anna ein unbeschwertes Leben in einer lateinamerikanischen Großstadt. Von den Aktionen des Widerstandes gegen die Willkür der Machthaber erfährt sie zunächst nur sporadisch. Dann lernt sie Rodrigo kennen, verliebt sich in ihn. Die beiden heiraten und erleben eine kurze Phase intensiven Glücks. Anna wird schwanger. Ihr Bewußtsein ist schärfer geworden. Sie will nicht länger schweigend die Ungerechtigkeiten hinnehmen, die die Regierung Tag für Tag den Menschen zufügt, und sie mischt sich ein...
In 24 Szenen schildert Urs M. Fiechtner Annas Geschichte. Eine authentische Geschichte, deren Fakten und Zeugen der Autor in einem Nachwort benennt (verschlüsselt natürlich, um sie nicht zu gefährden). Sie erzählt von Demütigung und Folter und jener menschenverachtenden Gewalttätigkeit, die zum barbarischen Wesen jeder Diktatur gehört. Sie erzählt aber auch von Menschen wie Anna, die in ihrem Zorn und ihrer Verzweiflung die Angst überwinden und ihr Leben einsetzen für das Leben der anderen...
Also auch eine Geschichte von der Hoffnung? Ja, trotz allem. Und hoffentlich erhellt sie viele Köpfe!“
(DIE ZEIT)