Urs M. Fiechtner

DER DICHTER

Ein Lautlesegedicht für eine Stimme

Stuttgart 1999
Schmetterling-Verlag
3-89657-106-0 (mit Audio-CD)
3-89657-107-9 (ohne Audio-CD)
80 S. Broschur, illustriert
5.- EUR (D) Buch
10.- EUR (D) Buch & CD

Medium : Buch; Buch & Hörbuch
Zielgruppe : Erwachsene und Jugendliche
Genre : Prosagedicht / Satire


Trotz des erhellenden Inhaltes sollte dieses Buch nicht so gelesen werden, wie es ansonsten der Literatur gut tut, nämlich ganz für sich, in stiller Gemütsruhe und langsam. Der größte Teil dieser sprachartistischen Rede, die man als Satire auf den Literaturbetrieb (und den Beruf des Schriftstellers) ebenso lesen kann wie als luzide spöttelnde Hommage an die Sache der politischen Literatur, ist nicht am Schreibtisch entstanden, sondern in freier, mündlicher Improvisation während vieler Lesungen des Autors. Das Buch besteht aus einem einzigen, von der ersten bis zur letzten Zeile ununterbrochenen Prosagedicht, das laut und im größtmöglichen Tempo gelesen werden will, wobei es vom (Vor-) Leser nicht nur eine angemessene geistige, sondern auch eine belastbare körperliche Konstitution verlangt - also ein Lautlesegedicht, und ein höchst vergnügliches obendrein.

Wer sich solcher Mühe nicht unterziehen will, greife zum Hörbuch respektive zur Buchausgabe mit beigelegter Aufnahme des "O-Tones": Die CD DER DICHTER enthält den vollständigen Text des Buches, gelesen vom Autor, sowie acht kommentierende Lieder, die der chilenische Musiker Sergio Vesely nach Gedichten von Fiechtner komponiert hat und die den Inhalt des Buches mal erweitern, mal konterkarieren.

Fiechtner kennt man seit Jahrzehnten als einen sorgfältig recherchierenden, distanziert schreibenden und zurückhaltend argumentierenden Autor, der sich vorzugsweise „schwieriger“ Themen annimmt und immer wieder leise, aber eindringlich die Nöte der Unterdrückten beschreibt. Als Lyriker darf man ihn einen Vertreter der poésie engagée nennen, als Erzähler aber und besonders als Autor von Jugendbüchern hört er es vor dem Hintergrund all dessen, was man in Deutschland unter „politischer Literatur“ verstand und versteht, gar nicht so gern, wenn man ihn einen „politischen Schriftsteller“ nennt („Leute die eine Fahne ansingen, sind mir schon suspekt genug, aber Schriftsteller, die den Vorsänger machen wollen, sind mir unheimlich“ , findet er).

Hier nun macht er seinen Frieden mit dem missverständlichen Begriff, indem er ihn in einer packenden Mixtur aus feiner, hintergründiger Ironie und sprühendem Wortwitz so gründlich durch einen äußerst liebevoll angerichteten Kakao zieht, daß er am Schluß gereinigt daraus wieder auftaucht: ein (nicht nur, aber auch) durchaus politisches Buch über politische Bücher und ein ebenso liebe- wie humorvolles Plädoyer für das Schreiben mit heißem Herzen...


„...und siehe da : Es war ein Lautlesegedicht. Urs M. Fiechtner liest seinen Text wunderbar. Die Redundanz gehört zur Atemlosigkeit des Vortrags. Man bekommt Verlangen, die gehörten geglückten Formulierungen nachzulesen. Mit der CD erhält man als Zugabe noch Gedichte von Fiechtner, die von Vesely vertont und gesungen sind – ein Genuss für jedermann.“
(Der Literat)

„Sein Hund heißt Hemingway – ‚weil er mal ein Nierenleiden hatte und sehr viel soff.‘ Herrchen Urs M. Fiechtner hat ein sichtlich entspanntes Verhältnis zum Literaturbetrieb. Ein Schriftsteller, der dem ‚Seewolf‘ ähnlicher sieht als einem Schreibtischtäter. (...) Er hat genügend Erfolg, um sich selber auf die Schippe zu nehmen. Persönliche Distanz hält er für wichtig, um dem Leser eine Tür in diese morbide Realität zu öffnen.
(Stuttgarter Zeitung)