Urs M. Fiechtner / Sergio Vesely

Geschichten aus dem Niemandsland (II)

Texte über Menschenwürde und Menschenrechte

Stuttgart 1999
Schmetterling - Verlag
128 S., Broschur, € 7,80

Medium : Buch
Zielgruppe : Jugendliche (ab 14) und Erwachsene
Genre : Kurzgeschichten


Das Buch vereint eine Auswahl der bekanntesten Kurzgeschichten aus der bald 30-jährigen Zusammenarbeit des deutschen Schriftstellers und Menschenrechtlers mit dem chilenischen Chansonnier und Autor, der einst selbst zu den politischen Gefangenen einer Militärdiktatur gehörte. Aus unterschiedlichen Perspektiven, in einer großen Vielfalt literarischer Formen und oft mit überraschenden Wendungen berichten Fiechtner und Vesely vom Umgang mit den Rechten und der Würde des Menschen in unserer Zeit. Sie erzählen von Tätern und Opfern, von der äußeren und inneren Situation der Verfolgten wie der Verfolger in einer von politischen und sozialen Konflikten geprägten Welt.

Alle Texte haben einen authentischen Hintergrund. Sie sind , wie Fiechtner es nennt, "von der Wirklichkeit abgeschrieben" und beruhen auf Dokumenten von Menschenrechtsorganisationen, auf Berichten von Flüchtlingen aus vielen Ländern der Welt, auf Interviews mit Tätern und Opfern oder auf der persönlichen Erfahrung der Autoren.

Nichts an diesem Buch ist gekünstelt oder konstruiert. Der absichtsvoll nüchtern klingende Untertitel Texte über Menschenwürde und Menschenrechte ist in gewisser Weise Programm - hier wird in zurückhaltenden, sensiblen Formen geschildert, was ist, ohne jemals plakative oder 'Betroffenheit' heischende Töne anzuschlagen, hier wird gesagt, was zu sagen ist und das Urteil dem Leser überlassen, ohne ihm mit belehrenden Zeigefingern die freie Sicht zu versperren.

In 22 kurzen Geschichten und mit fast ebenso vielen literarischen Formen erzählen die Autoren vom Leben und Überleben in Diktaturen, von Folter und politischen Mord, von den Erfahrungen der Opfer in Gefängnissen, Verhörzentren und Konzentrationslagern, von den mal willfährigen, mal zum Dienst gepressten Helfern der Machthaber, aber auch vom Widerstand gegen das Unrecht, von der Zivilcourage einzelner und ihrer Fähigkeit, die lähmende Angst zu überwinden. Berichtet wird auch – nicht selten mit hintergründigem Humor - vom Leben im Exil der westlichen Industrieländer, von den Versuchen der Flüchtlinge, mit ihren traumatischen Erlebnissen und der unfreiwillig gewählten Fremde zurechtzukommen und von den Menschen denen sie begegnen – also von Europäern, die teils ihre Augen vor dem Elend anderer verschließen, teils aber auch ihr möglichstes tun, um den Opfern zu helfen.

Geschichten aus dem Niemandsland wurde mehrfach und in verschiedenen Verlagen neu aufgelegt. Die hier vorliegende Ausgabe wurde von den Autoren überarbeitet und mit neuen Geschichten erweitert. Enthalten sind auch einige Texte, die durch die Konzertlesungen der Autoren, durch die Aufnahme in Lehrmaterialien oder durch andere Medien sehr bekannt wurden und häufig gesucht werden.

Begleitend zum Buch bietet der Schmetterling-Verlag ein Unterrichtsmodell für 9. bis 12. Klassen von Tanja Kurzrock und Sven Schmolke an , das unter anderem ein ausführliches Interview mit den Autoren enthält und das insgesamt auch als Arbeitsgrundlage für die Beschäftigung mit anderen Büchern der Autoren zu Menschenrechtsthemen dienen kann (Geschichten aus dem Niemandsland - Angebote für die Arbeit in der Literaturwerkstatt).

Wer Texte des Buches im „O-Ton“ hören will, findet in dem CD-Album Künstler für Menschenrechte eine kleine, mit Gedichten und Musik begleitete Auswahl.


„...so kann man feststellen, daß ihre Arbeiten zwar eine bemerkenswerte Vielfalt im Formalen aufweisen, daß sie sich aber über die Jahre in der großen, fast einzigartigen Kunst treu geblieben sind, zwei hierzulande meist unvereinbare Dinge auf ganz natürliche Weise zusammenzubringen : unbeirrbares, im besten Sinne prinzipientreues und daher auch konjunkturunabhängiges politisches Engagement und einen ebenso unbeirrbaren Humor, der die Sache ernst, sich selbst aber nicht so wichtig nimmt...“
(Hispanorama)

„...ein sehr anspruchsvolles Buch, sehr dicht und poetisch, ein aufwühlendes Buch, das dem Leser nicht einmal mehr die Unterdrückung der Menschenrechte in Gestalt deutscher Vergangenheit vorführt, sondern ihn mit dem Geschehen in seiner Zeit, in der Gegenwart konfrontiert.“
(ZDF – Preis der Leseratten)